Apfelbild TZKelterer haben besonders schlechte Apfelernte eingefahren – Erst zu kalt, dann zu trocken

02. Oktober 2026, Taunus Zeitung

Hochtaunus – Temperaturrekorde und wochenlange Trockenheit – hinter Deutschland liegt ein außergewöhnlicher Sommer. Diese Extreme sind auch an den Apfelbäumen im Hochtaunuskreis nicht spurlos vorbeigegangen. Zum Leidwesen der regionalen Kelterer.

„Die Ernte war extremst bescheiden“, sagt etwa Michael Korwisi. Der frühere Homburger OB ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Kirdorfer Feld (IKF), die sich dem Erhalt der 160 Hektar großen Kulturlandschaft in Kirdorf verschrieben hat. „Das ließ sich aber bereits im Vorhinein absehen. Nur an jedem 20. bis 25. Baum hingen überhaupt Äpfel“, schätzt er. „In 20 Jahren IKF war das die schlechteste Ernte.“

Das liege allerdings nicht nur am heißen Sommer. Im Frühjahr sei es nämlich zunächst zu kalt gewesen. „Es gab zwar keinen Frost, aber es sind kaum Bienen oder Hummeln geflogen, die die Blüten bestäuben“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Viele der wenigen Äpfel, die dann dennoch an den Ästen hingen, seien anschließend der Trockenheit oder der Sonne zum Opfer gefallen.

Dass Apfelernten in ihrem Ertrag variieren, sei vollkommen normal, sagt Korwisi. Dies nenne man Alternanz. Vergangenes Jahr hätten sich die Kelterer über eine hervorragende Ernte freuen können. Dass die Bäume dieses Mal weniger Früchte tragen, sei also nicht überraschend. „Aber dass es so wenige sind, ist ungewöhnlich“, sagt Korwisi.

Mittel, um gegen die Trockenheit anzukommen, gebe es kaum. Große Bäume benötigten zu viel Wasser, als dass man alle bewässern könne. Das sei nur bei jungen Bäumen möglich – und im Kirdorfer Feld auch geschehen. Insgesamt 500.000 Liter Wasser hätten die Apfelbaumbesitzer dieses Jahr für circa 1000 junge Apfelbäume auf das Kirdorfer Feld gebracht, sagt Korwisi. Bei Altbeständen helfen lediglich Stroh oder Schafswolle. „Wenn man das um die Bäume verteilt, schützt das den Boden etwas vor dem Austrocknen“, erklärt Korwisi. Mit Blick auf die kommenden Jahre befürchtet Korwisi allerdings weitere schlechte Apfelernten. „Die Wissenschaft sagt ja, dass solche Sommer eher Regel als Ausnahme sein werden.“

Weniger Früchte, mehr Zucker

Vor Beginn der Ernte hatte Korwisi noch auf die Hilfe von privaten Apfelbaumbesitzern gehofft. Diese können sich unter 0176–27859895 bei der IKF melden und ihre Äpfel zur Interessengemeinschaft bringen oder abholen lassen. „In privaten Gärten sind die Bedingungen oft andere als auf dem Feld“, sagt Korwisi. Nur: In diesem Jahr blieben auch die Privatbesitzer nicht verschont. „In den Gärten war die Ernte diesmal genauso schlecht wie auf dem Feld.“

Auch Valentin Steden, einer der Geschäftsführer der Oberurseler Kelterei, stellte sich in diesem Jahr auf deutlich weniger Ertrag als in vergangenen Jahren ein. „Wir rechnen mit etwa 50% der Erntemenge“, hatte Steden noch vor Beginn der Ernte gesagt.

Nun stellt sich heraus: Es kam sogar noch schlimmer. „Es gab Grundstücke, die waren ein Totalausfall. Da hingen vier bis fünf Äpfel an einem Baum“, berichtet der Kelterer. Auf anderen Flächen sei die Ausbeute dagegen deutlich höher gewesen. „Das war allerdings die absolute Ausnahme.“ Insgesamt sei die Ernte damit 60% bis 70% schlechter ausgefallen als in einem Durchschnittsjahr.

Valentin Steden hat die Hoffnung auf Apfelspenden noch nicht aufgegeben: „Alle privaten Apfelbaumbesitzer sollen Äpfel, die sie nicht brauchen, in Keltereien bringen und bloß nicht am Baum hängen lassen.“

In diesem Jahr führe der Ernteausfall wahrscheinlich noch nicht zu großen Problemen für das Unternehmen: „Wir haben noch viel Reserve im Keller. Es kommt aber auch etwas auf den Konsum der Kunden an“, sagt Steden. „Die nächste Ernte sollte dann aber schon besser werden.“

Er setzt dabei auf die Alternanz, also darauf, dass sich gute und schlechte Erntejahre abwechseln. Aber dafür müssten auch die Rahmenbedingungen – wie ein mildes Frühjahr und ein moderater Sommer – mitspielen. In der Kelterei Steden hat man deshalb bereits begonnen, sich auf zunehmend heiße und trockene Sommer vorzubereiten: „Wir haben Sorten angepflanzt, die mit Trockenheit besser umgehen können“, sagt Valentin Steden.

Neben einer schlechten Ernte hatte der heiße Sommer noch eine weitere Auswirkung auf die Kelterei: „Viel Sonne führt zu viel Zucker in den Äpfeln“, erklärt Steden. Die Folge: Die große Menge Zucker wird bei der Gärung auch in große Mengen Alkohol umgewandelt. „Wir haben dieses Jahr also wohl weniger, dafür aber stärkeren Apfelwein“, so Stedens Resümee mit einem Augenzwinkern.

FELIX FEHRE