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ApfelHessens Obstbauern klagen über Diebstähle
Taunuszeitung vom 24.7.2017, Klaus Späne

Wenn die Bäume voller Kirschen, Äpfel, Mirabellen oder sonstigem Obst hängen, ist es schon verführerisch, sich einfach mal zu bedienen. Legal ist das jedoch nicht, und mancherorts greifen Bauern zu unkonventionellen Abwehrmaßnahmen.

Es ist ein wahres Katz- und Mausspiel, das sich jedes Jahr in den Kirschhainen rund um Ockstadt abspielt. Abend für Abend patrouillieren zwischen fünf und zehn Landwirte an mehreren Punkten in den rund 140 Hektar großen Obstanlagen des Wetterau-Dorfes. Die Männer stehen ständig per Handy miteinander in Kontakt und sind auf Abruf bereit, wenn eine Whats-App-Meldung eintrudelt: Diebe gesichtet. Ist das der Fall, versuchen sie so schnell wie möglich zum Tatort zu eilen und die Verdächtigen zu stellen.

Solche Szenen spielen sich in dem Ortsteil von Friedberg regelmäßig im Juni, Juli ab, wenn die rund 43 000 Bäume der hessischen Kirschenhochburg voller süßer Früchte hängen. Die Bilanz der Bauern ist erschreckend: Bei den abendlichen Streifen erwische man Leute, die kiloweise Kirschen in Tüten herausschleppten, berichtet Werner Kipp, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Ockstadt, in dem die Kirschbauern organisiert sind. Von der Bande bis zum „ehrlichen“ Bürger, vom Einzeltäter bis zur Familie, vom Deutschen bis zum Ausländer, gehe ihnen alles in die Fänge. Und es scheint immer schlimmer zu werden.

„SoKo Kirsche“ gegründet

„Vergangenes Jahr wurden 15 Diebe geschnappt“, berichtete Steffen Rehde, der nebenberuflich 2500 Kirschbäume bewirtschaftet. In diesem Jahr liefen bereits deutlich über 20 Anzeigen, was vermutlich nur die Spitze des Eisbergs sei. „Es gibt Banden, die ganze Reihen abpflücken“, sagt Kipp. Diese seien nachts unterwegs, wenn die Landwirte nicht auf Streife sind. „Vor drei Jahren wurde bei mir eine komplette Anlage leergeräumt“, sagt Steffen Rehde. Der Schaden habe zwischen 2000 und 4000 Euro betragen. Dies war auch ein Grund, weshalb die Ockstädter mittlerweile nicht nur Streife fahren und ihre Whats-App-Gruppe mit dem Titel „SoKo Kirsche“ gegründet haben, sondern auch dieses Jahr zum zweiten Mal einen Privatdetektiv engagiert haben, der die Diebe der Polizei übergibt und Anzeige erstattet.

Ockstadt ist beileibe kein Einzelfall. Auch die Streuobstwiesen auf dem Kirdorfer Feld der Hochtaunusstadt Bad Homburg werden immer wieder von Obstdieben heimgesucht. Er habe schon Leute beobachtet, die drei bis vier Plastiktüten mit Äpfeln gefüllt hätten, sagt Michael Korwisi, stellvertretender Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Kirdorfer Feld (IKF) und früherer Oberbürgermeister der Kurstadt. Dabei sei das Kirdorfer Feld, auf dem überwiegend Bäume mit sogenannten Hochstämmen stehen, weniger stark betroffen als Plantagen mit Niedrigstämmen wie in Ockstadt.

Noch mehr als über den Obstklau ärgert sich Korwisi aber über die Schäden, die die Diebe anrichten. „Ganze Äste werden abgebrochen – gerade von jungen Bäumen.“ Die Grundstückseigentümer, die sich in der IKF zusammengeschlossen haben, seien dagegen machtlos. „Wir sprechen die Leute an, wenn sie im Feld sind, können aber keine Personalien feststellen“, bedauert Korwisi. Dennoch sei es durch erhöhte Präsenz gelungen, den Diebstahl etwas zurückzudrängen.

Ganzes Feld abgeräumt

Ockstadt und Bad Homburg – zwei Momentaufnahmen eines Phänomens, das in ganz Hessen und Deutschland anzutreffen ist, wenngleich mit unterschiedlicher Intensität. Besonders gravierend ist das Problem in der Region Mainz, wo Obstdiebe immer wieder starke Schäden anrichten. So räumte kürzlich eine professionell organisierte Bande ein ganzes Feld mit 350 Kilogramm Aprikosen ab, berichteten Bauern und Polizei. Überall in Rheinland-Pfalz gebe es solche oder ähnliche Fälle, schlug Ludwig Schmitt, Vorsitzender der Fachgruppe Obst im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd Alarm. „Agrardiebstahl ist schon immer ein Problem gewesen“, sagt auch Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbands. Vor allem Ballungsräume seien betroffen, weniger die ländlichen Gebiete. „Da fehlt der Respekt vor fremdem Eigentum“, nennt Weber einen Grund für die Unsittte. Dennoch habe man in Hessen in den vergangenen Jahren keine Zunahme verzeichnet, und die Bauern liefen deswegen auch nicht Sturm. Sie hätten das eingepreist, ärgerten sich darüber, seien aber machtlos. „Ich kann nur an das Rechtsbewusstsein der Menschen appellieren“, sagt Weber.

Die Ockstädter Kirschbauern belassen es nicht dabei. Sie planen bereits jetzt, auch zur nächsten Kirschsaison 2018 wieder einen Privatdetektiv zu engagieren.

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Taunuszeitung vom 24.7.2017, Klaus Späne

 

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